Aus der Vergangenheit in die Gegenwart des Ortes

So einzigartig und anziehend das Landschaftsbild von Oberprechtal, so interessant und fast einmalig in der näheren Region ist nicht nur die ältere sondern auch die jüngere Geschichte des Ortes. Seit dem Beginn des 10. Jahrhunderts gehörte nahezu das gesamte Elztal dem Kloster Waldkirch, einer Stiftung des Alemannenherzogs Burkhard. In einem Schutzbrief, den Papst Alexander III. im Jahre 1178 für das Kloster St. Margarethen in Waldkirch ausstellte, wird das Prechtal erstmals als Meiertum "Bregen" erwähnt.
In anderen Urkunden des Mittelalters kommt der Ort auch unter dem Namen Gebrech, Brech, Brecht und Precht vor. Der Name lässt sich nicht genau erklären, kommt aber vermutlich daher, weil die zunächst nördlich fließende Elz im heutigen Oberprechtal deutlich gebrochen wird und der Fluß nun in südwestlicher Richtung weiter verläuft.

Zwischen 1362 und 1406 wird das Prechtal mehrmals an verschiedene Herrschaften verpfändet, das zu unklaren Besitzverhältnissen und langem Streit führte. 1409 entschied ein Schiedsgericht in Freiburg, dass das Prechtal den Fürstenbergern und den Markgrafen von Hachberg gemeinsam gehören sollte.
Beide Herrschaften regierten von da an das Tal in der Rechtsform eines Kondominats gemeinsam. Die Verwaltungsgeschäfte des Hauses Baden-Hachberg wurden ab 1550 von Emmendingen, die der Fürstenberger von Haslach im Kinzigtal aus geführt. Zur besseren Funktionsfähigkeit der Verwaltung, über die es viele Meinungsunterschiede gab, einigten sich beide Partner schließlich darauf, die Amtsgeschäfte abwechselnd in einem jährlichen Turnus zu führen. Wichtige Angelegenheiten wurden dennoch gemeinsam beschlossen und umgesetzt. Eine herausragende gesetzgeberische Leistung war die 1561 erlassene "Talordnung". Als dörfliche Verfassung war sie eine Art Grundgesetz für das ganze Herrschaftsgebiet Prechtal, die im Wesentlichen bis 1806 bestehen blieb. Einmal im Jahr kamen die markgräflichen und fürstenbergischen Amtsherren im "Ladhof" , dem späteren Gasthof "zum Ladhof" zusammen, um Gericht zu halten und Abgaben zu erheben.

Im Zeitalter der Reformation ging die gemeinsame religiöse Basis der Bevölkerung des Kondomiums verloren. Während das Haus Fürstenberg katholisch blieb, trat der Markgraf von Baden-Hachberg zur neuen Lehre Luthers über. Dabei galt der Grundsatz "cuius regio, eius religio", "wessen das Land, dessen die Religion". Im Grundsatz bedeutete dies, wer das Land regiert, bestimmt die Religion. Auseinandersetzungen zwischen Religionsgemeinschaft der Kondominatsherren waren deshalb nicht zu vermeiden.
Da sich keiner der Kondominatsherren durchzusetzen vermochte, blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Prechtäleren die Glaubens- und Gewissensfreiheit zuzugestehen. Die dem Bürger möglich gewordene freie Wahl seiner Glaubenszugehörigkeit eilte der Zeit um Jahrhunderte voraus. Dabei blieben die Einwohner der unteren Talhälfte überwiegend katholisch, während es für die Obertäler eine Gewissensentscheidung war, welcher Religion sie angehören wollten. 1741 wurde den Prechtälern diese Religionsfreiheit auch vertraglich zugestanden. Nach einer längeren Phase der Unsicherheit konnte schließlich 1742 wieder eine katholische Pfarrei errichtet werden. Evangelische Geistliche sind indes seit 1570 nachweisbar.

Diese für die damalige Zeit einmaligen Rechte der Bevölkerung führten zu einer sich immer stärker ausprägenden und aufgeschlossenen Wesensart und zur Toleranz unter den Gläubigen beider Konfessionen. Es sind dies Eigenschaften, die stets Erwähnung finden, wenn über die Menschen des oberen Elztales berichtet wird. 1780 errichtete man im Ortsteil Oberprechtal eine neue Kirche, die als Simultankirche von den Gläubigen beider Konfessionen gemeinsam genutzt wurde.

Nach den Napoleonischen Kriegen entstand ein völlig verändertes Europäisches Staatenbild. So erhielt das 1806 geschaffene Großherzogtum Baden das Haus Fürstenberg zugeteilt und die Markgrafschaft Baden ging ebenfalls im neuen Lande auf. Das Kondominat Prechtal fand damit nach 400-jährigem Bestehen sein Ende.

Nach einer kurzen Zugehörigkeit zum Amt Hornberg wurde 1809 die Vogtei Prechtal dem Amt Triberg zugeteilt und 1815 dem Amt Elzach zugeordnet. Nachdem 1819 das Amt Elzach aufgelöst wurde, gelangte die Gemeinde Prechtal zum Bezirksamt Waldkirch.
1936 wurde die Gemeinde Prechtal kurzfristig dem Landkreis Wolfach zugewiesen und 1939 kam sie endgültig zum Landkreis Emmendingen. Im April 1945 wurde Oberprechtal wie das übrige Elztal von französischen Truppen besetzt. Der Erste und der Zweite Weltkrieg brachten der Bevölkerung schmerzliche Verluste. Insgesamt haben 103 Mitbürger aus Oberprechtal in diesen sinnlosen Kriegen ihr Leben gelassen oder kehrten als Vermisste nicht mehr heim.

Ab 1960 wurden von den Bürgern des Teilortes Oberprechtal wiederholt Eingaben an Behörden und Abgeordnete für eine Teilung der Gemeinde Prechtal gerichtet. In dem Landtagsabgeordneten Georg König aus Diersheim, der heutigen Geminde Rheinau, fanden die Oberprechtäler einen engagierten Fürsprecher für das Anliegen einer selbständigen  Gemeinde. MIt einem Gesetzesentwurf, den Abgeordnete aller Parteien unterstützen, wurde am 22.11.1963 im Landtag von Baden-Württemberg beschlossen, mit Wirkung vom 01.01.1964 die eigenständige Gemeinde Oberprechtal zu bilden und diese aus der bisherigen Gemeinde Prechtal, die in verkleinertem Umfang bestehen blieb, herauszulösen.
Unter dem neugewählten Bürgermeister Otto Burger begann nun dür das neue Gemeindewesen eine Zeit der Blüte. Die Bevölkerung nahm regen Anteil an der Entwicklung des Ortes und verschrieb sich mancherlei Initiativen, unter anderem bei Ortsverschönerungsmaßnahmen. Der Tourismus wurde gefördert und 1971 erhielt die Gemeinde das begehrte Prädikat "Luftkurort" zugestanden. Trotz eines fast 100prozentigen Votums für den Erhalt der Selbständigkeit wird die Gemeinde Oberprechtal, wie auch die Gemeinden Prechtal, Yach und Katzenmoos aufgrund der im Land Baden-Württemberg durchgeführten Gemeindereform zum 01.01.1975 in die Stadt Elzach eingegliedert, die jetzt die neue Stadt bilden. Der damalige Gemeinderat entschied sich, für den Teilort eine Ortschaftsverfassung einzuführen.

In der Zeit der Selbständigkeit entstand 1965 die neue Schule mit der Turn- und Festhalle. Die Halle wurde 1995 durch einen Anbau erweitert. 1973 wurde das Schwimmbad erbaut, danach die Kuranlagen eingerichtet und 1975 eine Kläranlage geschaffen. Schließlich wurde zur Sicherung des Fremdenverkehrs die Wasserversorgung erweitert. Für die Kinder wurde ein angemessener Spielplatz eingerichtet. Über den Dorfentwicklungsplan konnte ein Anbau an der Grundschule sowie der Umbau der Ortschafts- und Kurverwaltung erreicht werden. 1998 erhält die Ortschaft mit Hilfe einer Bürgerinitiative und dem Ortschaftsrat einen eigenen Kindergarten. Die Infrastruktur des Ortes wurde in den vergangenen Jahrzehnten also laufend fortentwickelt und daher zum dörflichen Vorteil verbessert, um den Anforderungen der Zukunft gewappnet zu sein.

Im Jahre 1975 verlor Oberprechtal mit der Auflösung des über 200 Jahre bestehenden Simultaneum ein weiteres Merkmal seiner Eigenständigkeit und Besonderheit. Die notwendig gewordene Sanierung der seither gemeinsam benutzten Kirche (die Gottesdienste fanden sonntags nacheinander im wöchentlichen Wechsel, dem so genannten "Vorgang" und dem "Nachgang" statt) war mit ein Anlass für die evangelische Kirchengemeinde ein eigenes Gotteshaus zu erbauen. Die bis dahin gemeinsame Kirche war ein weséntlicher Teil der Identität der Menschen Oberprechtals. Es war nicht verwunderlich, dass Teile der Bevölkerung die Aufgabe des Simultaneums ebenso wie den Wegfall der politischen Selbständigkeit als ein Verlust ihrer dörflichen Eigenart empfanden.

 

Oberprechtal

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